Words…

Memorabilia 1

Verblasste Bilder

Bunker über dem Strand

Braune nackte Körper

Langes Haar im Wind

Bewegt sich

wie Hafergras

Geschrei von Möwen

Jukebox in der Bar

“Down to the River”…

Wird zur Hymne

Wein und Zigaretten

Sonnenbrillen in der Nacht

Küsse haltbar

Doch der Sommer vergeht

***

Memorabilia 2

Ein kurzer Brief

nein

Nur ein Zettel

Herausgerissen

Aus einem Notizbuch

Die bekannte Handschrift

Adieu

Er ist also abgereist

Im Dunkel des Morgens

Seinen Bademantel

Hat er zurück gelassen

Und den Duft seines Duschgels

Es wird hell

In Babylon City und

Ich hatte keinen Tiefschlag

Mehr erwartet

***

Memorabilia 3

„Merci pour les fleurs, mon chéri”

Seit wann schenkst du Blumen

Das Bild von dir

In meinem Kopf

Ist ein anderes

Aber dein Bart stört mich nicht

Du bist älter geworden

Deine Augen finster verwüstet

Selbst die Sonnenbrille kann nichts verbergen

Deine Umarmung zu kurz – zu spät

Wen hast du geliebt

Verschollen in den Nächten Babylons

Deinen alten Bademantel

Habe ich weg geworfen

(2021)

***

Weit genug

Und wieder tanzt du in meinen Gedanken

durch die Hotelhalle

mit deiner Bluse transparent genug

damit meine Träume nicht austrocknen

Und wieder singst du deine Lieder

in den lichtklaren Räumen

mit deiner Stimme heiser genug

nach den (Lust)Schreien in der Nacht

Und wieder streichst du dir durchs Haar

am Tresen irgendwo

mit deiner Hand stark genug

um auch mich zu packen

Und wieder lügst du die gleichen Geschichten

in dem Zimmer des Stundenhotels

mit dem Blick kalt genug

um uns Lichtjahre voneinander zu entfernen

Und wieder fährst du zurück zu ihm

in sein Haus in der Wüste

mit Betten groß genug

um ihm nicht auszuweichen

Gedicht erschienen in „Babylon Blues und andere Lieder“,
ISBN: 978-3-00-032026-2, im Buchhandel erhältlich, 19,95 €


Famous Blue Raincoat  
(frei nach L. Cohen)

Vier Uhr früh
Ende Januar
Ich habe mich entschlossen
Dir endlich zu schreiben

Es ist kalt draußen
Aber Babylon pulsiert noch
Ich liebe diese Stadt
Und entfernt höre ich sogar noch Musik

Du bist fortgegangen
In die Wüste
Lebst dort von nichts
Vielleicht hast du ein paar gute Platten mitgenommen

Ja, Julia kam damals mit dieser Locke von dir
Du hattest sie ihr geschenkt
In der Nacht
In der du alles klarstellen wolltest

Das letzte Mal sah ich dich
Auf dem Bahnhof
Dein blauer Regenmantel war verschlissen
Und du schienst alt geworden

Dein Warten am Bahnsteig
Hatte sich nicht gelohnt
Alleine gingst du nach Hause
Ohne Lily Marlene

Julia war für dich
eine Flocke in deinem Leben
eine Episode
aber für sie war es mehr

Als sie kam
Mit dieser albernen Rose zwischen den Zähnen
Dachte ich, schon wieder so ein Zigeuner
Der sie mir raubt….

Gerade ist sie aufgewacht
Und lässt dich grüßen…
Aber was soll ich dir noch erzählen, mein Bruder
Mein Killer, was könnte ich noch schreiben?

Vielleicht, dass ich dich vermisse
Vielleicht, dass ich dir verzeihe
Vielleicht, dass es gut war
Dass wir drei uns begegnet sind

Wirst du eines Tages kommen
Zu Julia, zu mir
Glaub mir, dein Feind wird schlafen
Und seine Frau auf dich warten

Ich danke dir
Dass du sie ein wenig glücklich gemacht hast
Es war gut
Dass ich nichts unternahm

Als sie zu mir kam mit dieser Locke von dir
Du hattest sie ihr geschenkt
In dieser Nacht
In der du alles klarstellen wolltest

Leb wohl, mein Freund


Gedicht erschienen auf Hörbuch „Ausfahrt – Neue Geschichten“
ISBN: 978-3-9815239-1-1,  im Buchhandel erhältlich, 12,95 €

Julia
komm runter vom Balkon
Romeo hat Frühschicht
du könntest ihn durch den
kalten Morgen 
begleiten
denn es gibt noch so viel
was du entdecken kannst
fang an zu suchen
das Leben hört nie auf



Gedicht erschienen in "Babylon Blues und andere Lieder", 
ISBN: 978-3-00-032026-2, im Buchhandel erhältlich, 19,95 €

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